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Karl Poppers Staatstheorie

Ein Beitrag von Helge Wilhelm „Der Begriff der 'Offenen Gesellschaft' ist zu einem geflügelten Wort geworden. Er geht zurück auf den französischen Philosophen Henri Bergson, doch war es der österreichische Brite Karl Popper, der ihn mit Leben füllte. Auf ihn, diesen Hofphilosophen der freien Welt, berufen sich immer wieder Wirtschaftkapitäne, Religionsführer, Kaiser und Präsidenten.“ (Nasher, 2017, Vorwort). Jedes Schulkind in der angloamerikanischen Welt hat zumindest schon einmal etwas von der „open society“ gehört. Außerhalb des englischen Sprachraums aber schwindet Poppers Bedeutung. Wie kann das sein? Wie konnte es dazu kommen, dass Popper, ein Österreicher, in der englischsprachigen Welt als Koryphäe der Demokratietheorie fester Bestandteil des Diskurses ist und anderswo kaum eine Rolle spielt? Es hat sicherlich viel mit dem Leben Poppers zu tun. Vor dem Faschismus auf die andere Seite der Welt, nach Neuseeland, geflüchtet und später nach England emigriert, hat Popp...

Bedingungsloses Grundeinkommen – bisherige Versuche und was wir von ihnen lernen können

Ein bedingungsloses Grundeinkommen wird sowohl medial als auch im politisch-gesellschaftlichen Diskurs immer häufiger diskutiert. Yuval Noah Harari bespricht in seinem Buch „21 Lektionen für das 21 Jahrhundert“ 21 Grundprobleme, denen sich die Menschheit stellen muss. Dabei geht er neben Kriegen, politischen und gesellschaftlichen Veränderungen auch auf unser Verhältnis zur Arbeit und unsere sozialen Sicherungssysteme ein (vgl. Harari 2018). Rutger Bregman sieht in seinem Buch „Utopien für Realisten“ die Zeit für „die 15 Stunden-Woche, offene Grenzen und das bedingungslose Grundeinkommen“ gekommen. Schwerreiche Unternehmer wie der dm-Gründer Götz Werner favorisieren ein bedingungsloses Grundeinkommen und sehen darin die einzige Möglichkeit zur Grundsicherung. Während viele verschiedene Theorien und Konzepte zu einem Grundeinkommen existieren, richtet sich der Fokus dieser Arbeit auf bereits durchgeführte oder gestartete Versuche, Experimente und Pilotprojekte. Neben der Vorstellung ...

Das bedingungslose Grundeinkommen – Ein Weg aus der Krise?!

Berlin. Eine kleine, jedoch ordentliche Wohnung steht hier in Reinickendorf. Freundliche Rottöne überdecken die Wasserflecken an den Wänden, der Fernsehtisch – ein kaputter Wäschetrockner. Ein abgewetztes Sofa steht im Wohnzimmer, darauf eine Decke; dies ist der Schlafplatz der 19-jährigen Michèle, der ältesten der drei Töchter. Die 14-jährige Nadine und ihre kleine Schwester Cheyenne (11 Jahre) teilen sich das winzige Kinderzimmer. Ihre Mutter Jaqueline Schade lebt wie „6,8 Millionen andere Menschen in Deutschland“ ( Fischhaber 2010 ) von Hartz IV. Früher war Jaqueline Näherin, danach Zimmermädchen, später räumte sie Regale im Supermarkt ein. Doch das ist Vergangenheit, seit ihrer Operation hat sie taube Gelenke und kann keinen derartigen Job mehr ausüben. Nun fehlt das Geld: „monatlich 438 Euro vom Arbeitsamt, 558 Euro Kindergeld und 456 Euro Krankengeld […]. 600 Euro kostet die Wohnung, 900 bleiben zum Überleben, das nur mit allerlei Tricks funktioniert“ ( Fischhaber...