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Letzte Wahrheiten (I)

Für letzte Wahrheiten war früher die Religion zuständig, die von der Wissenschaft (in ihrer unbescheidenen Variante) abgelöst wurde. Heute erfährt man letzte Wahrheiten - wenn überhaupt - nur noch in Romanen. So wissen alle regelmäßigen (und auch manche der gelegentlichen) Teilnehmenden meiner Veranstaltungen zur Europäischen Union, dass die dort präsentierte letzte Wahrheit ("Die EU ist das Schnabeltier der Politikwissenschaft") aus dem Roman "Lila oder ein Versuch über Moral" von Robert M. Pirsig abgeleitet wurde. In einem Roman von Harry Mulisch ("Die Entdeckung des Himmels") bin ich nun erneut auf eine letzte Wahrheit gestoßen, die dazu angetan ist, die meisten der ungeklärten Fragen und Bedrängnisse einer Lösung zuzuführen, denn er schreibt - rückblickend auf die Geschichte angekränkelter menschlicher Erkenntnisversuche -, " die Welt war die Suppe und das Denken meistens eine Gabel ." Voilà...

Karl Poppers Staatstheorie

Ein Beitrag von Helge Wilhelm „Der Begriff der 'Offenen Gesellschaft' ist zu einem geflügelten Wort geworden. Er geht zurück auf den französischen Philosophen Henri Bergson, doch war es der österreichische Brite Karl Popper, der ihn mit Leben füllte. Auf ihn, diesen Hofphilosophen der freien Welt, berufen sich immer wieder Wirtschaftkapitäne, Religionsführer, Kaiser und Präsidenten.“ (Nasher, 2017, Vorwort). Jedes Schulkind in der angloamerikanischen Welt hat zumindest schon einmal etwas von der „open society“ gehört. Außerhalb des englischen Sprachraums aber schwindet Poppers Bedeutung. Wie kann das sein? Wie konnte es dazu kommen, dass Popper, ein Österreicher, in der englischsprachigen Welt als Koryphäe der Demokratietheorie fester Bestandteil des Diskurses ist und anderswo kaum eine Rolle spielt? Es hat sicherlich viel mit dem Leben Poppers zu tun. Vor dem Faschismus auf die andere Seite der Welt, nach Neuseeland, geflüchtet und später nach England emigriert, hat Popp...